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Ratgeber

Wassertemperatur in der Schweiz – woher jede einzelne Zahl stammt

Emailliertes Schild am Rheinufer in Basel mit der Aufschrift «Wasser 19°», daneben der Abgang zum Wasser
Foto: Ude · Water temperature indication at Basel Rhine shore Wettstein.jpg · CC BY-SA 4.0

Eine Wassertemperatur ohne ihre Messstelle ist keine Auskunft, sondern eine Dekoration. Wer wissen will, wie warm ein Gewässer ist, muss wissen, wo gemessen wurde; sonst beschreibt die Zahl womöglich ein anderes Wasser als das, in dem gebadet wird.

Das nationale Messnetz misst Flüsse, nicht Seen

Das Bundesamt für Umwelt betreibt ein Messnetz an den Schweizer Gewässern und veröffentlicht die Daten als offene Daten. Es erfasst Pegel, Abfluss und an vielen Stationen auch die Wassertemperatur, aber ganz überwiegend an Fliessgewässern. Von den Stationen, die aktuell eine Temperatur liefern, misst keine einzige einen See.

Das ist der Grund, warum eine schnell zusammengesuchte «Wassertemperatur Zürich» irreführend sein kann. Die nächstgelegene Bundesstation im Stadtgebiet misst die Sihl, einen kleinen Fluss, der im Hochsommer mehrere Grad kälter ist als der Zürichsee. Beides heisst Zürich, und nur eines davon ist das Wasser, in dem in Zürich gebadet wird.

Wer sonst noch misst

Für Seen springen andere Stellen ein. In Zürich betreibt die Wasserschutzpolizei Messstationen am Seeufer, die neben Wind und Luftdruck auch die Wassertemperatur des Zürichsees erfassen. Andernorts sind es die Badeanlagen selbst, die morgens ablesen und aushängen: verlässlich für das Becken, an dem sie hängen, und nicht darüber hinaus.

Für Luzern zeigt diese Seite deshalb bewusst die Reuss an der Geissmattbrücke und nicht «den Vierwaldstättersee»: Die Reuss fliesst unmittelbar aus dem See ab, ihre Temperatur liegt nahe an der Seeoberfläche, und sie wird tatsächlich gemessen. Für St. Gallen zeigt die Tafel gar keine Zahl, weil das Messnetz in der Stadt kein Badegewässer erfasst.

Wie eine Zahl zu lesen ist

Drei Angaben gehören zusammen: der Wert, die Messstelle und der Zeitpunkt. Fehlt die Messstelle, ist unklar, welches Wasser gemeint ist. Fehlt der Zeitpunkt, ist unklar, ob die Zahl von heute Morgen oder von letzter Woche stammt, und bei einem Alpenfluss liegen dazwischen leicht vier Grad.

So sieht das hier aus
Ort Luft Wasser
Basel Rhein, Messstelle Weil, Palmrainbrücke 20° gemessen 23,1° gemessen
Zürich Zürichsee, Messstelle Mythenquai 19° gemessen 24° gemessen
Bern Aare, Messstelle Bern, Schönau 16° gemessen 20,4° gemessen
St. Gallen kein Badegewässer in der Stadt gemessen 15° gemessen keine Messung
Luzern Reuss, Messstelle Luzern, Geissmattbrücke 16° gemessen 22,8° gemessen

Jede Zahl steht unter dem Zeitpunkt, zu dem ihre Messstelle sie erhoben hat; die Zeiten unterscheiden sich, weil die Stellen zu verschiedenen Minuten messen. Abgerufen bei den Quellen am . Der Stand ist der dieses Abrufs. Erzeugt am . Alle Zeiten in Schweizer Zeit. Lufttemperatur von Open-Meteo, Wassertemperatur von Bundesamt für Umwelt BAFU, Hydrologie und, für den Zürichsee, Wasserschutzpolizei Zürich. Für St. Gallen liegt keine Wassermessung vor.

Die Werte auf dieser Seite werden beim Erstellen der Seiten abgerufen und mit dem Zeitpunkt ihrer Messung ausgewiesen. Sie sind damit nicht sekundenaktuell (eine Wassertemperatur bewegt sich ohnehin im Bereich von etwa einem Grad pro Tag), aber sie sind gemessen, datiert und einer Station zugeordnet.

Warum Fluss und See sich nicht gleich verhalten

Ein Fluss folgt dem Wetter fast unmittelbar. Sein Wasserkörper ist flach und ständig in Bewegung, es gibt kaum Masse, die Wärme speichert: die Aare in Bern kann nach drei heissen Tagen mehrere Grad zulegen und nach einem Gewitter genauso schnell wieder abkühlen. Wer für einen Fluss eine Zahl von gestern liest, liest unter Umständen etwas anderes als das, was ihn heute erwartet.

Ein grosser See tut das Gegenteil. Der Zürichsee ist an der tiefsten Stelle rund 136 Meter tief; diese Masse nimmt Wärme langsam auf und gibt sie langsam wieder ab. Deshalb liegt der wärmste Zeitpunkt eines Sees Wochen hinter dem wärmsten Zeitpunkt der Luft, und deshalb ist ein See im September oft noch angenehm, während der Fluss daneben bereits abgekühlt ist.

Ein Weiher wie der Mannenweier über St. Gallen liegt wieder anders: klein, flach, ohne Zufluss von Bedeutung. Er erwärmt sich am schnellsten von allen dreien und kühlt ebenso schnell aus. Dieselbe Aussentemperatur bedeutet an diesen drei Gewässertypen drei verschiedene Wassertemperaturen, und das ist der Grund, warum eine einzelne Zahl für «die Schweiz» nichts aussagt.

Warum die Messstelle den Wert bestimmt

Auch innerhalb eines Gewässers ist die Zahl eine Eigenschaft der Messstelle. Die Station Mythenquai misst den Zürichsee auf zwei Meter Tiefe, nicht an der Oberfläche. An einem heissen, windstillen Nachmittag bildet sich obenauf eine dünne, deutlich wärmere Schicht; wer hineinsteigt, spürt zuerst diese Schicht und nicht den gemessenen Wert. Die Zahl ist nicht falsch, sie beschreibt nur eine andere Tiefe als die Haut.

Bei Flüssen entscheidet die Lage entlang des Laufs. Der Rhein wird für Basel bei Weil an der Palmrainbrücke gemessen, also flussabwärts der Stadt; die Aare für Bern in der Schönau, oberhalb der Altstadtschlaufe. Beides sind die Stationen, die es gibt, und beide liegen nicht dort, wo gebadet wird. Ein Kilometer Fliessstrecke, ein einmündender Bach oder ein Kraftwerk verschieben den Wert um Zehntel bis Zehntel-Grade.

Für Luzern zeigt diese Seite deshalb ausdrücklich die Reuss an der Geissmattbrücke und nicht «den Vierwaldstättersee»: Die Reuss fliesst unmittelbar aus dem See ab, ihre Temperatur liegt nahe an der Seeoberfläche, aber sie ist eine Fluss- und keine Seemessung, und sie steht hier als das da, was sie ist.

Häufige Fragen zur Wassertemperatur

Wer misst die Wassertemperatur in der Schweiz?

Für Fliessgewässer das Bundesamt für Umwelt, das die Daten als offene Daten veröffentlicht. Für Seen springen andere Stellen ein: in Zürich etwa die Wasserschutzpolizei mit ihren Stationen am Seeufer.

Warum steht bei manchen Städten keine Wassertemperatur?

Weil in dieser Stadt kein Badegewässer gemessen wird. Für St. Gallen erfasst das nationale Messnetz kein Gewässer im Stadtgebiet; die nächste Station mit Temperaturmessung liegt rund zehn Kilometer entfernt an einem anderen Gewässer.

Wie aktuell sind die Werte auf dieser Seite?

Neben jedem Wert steht der Zeitpunkt, zu dem seine Messstelle ihn erhoben hat; darunter getrennt davon der Zeitpunkt, zu dem diese Seite erzeugt wurde. Die Seite holt nichts nach, sie ist eine Momentaufnahme; wie alt ein Wert ist, steht deshalb bei ihm. Eine Wassertemperatur bewegt sich im Bereich von etwa einem Grad pro Tag.

Warum ist die Zahl für Luzern die der Reuss und nicht die des Sees?

Weil am Vierwaldstättersee keine Temperatur gemessen wird. Die Reuss fliesst bei Luzern unmittelbar aus dem See ab, ihre Temperatur liegt nahe an der Seeoberfläche, und sie ist hier als Reuss-Messung ausgewiesen statt als Seewert ausgegeben.