St. Gallen · Drei Weieren
Stadtstrand St. Gallen – Baden an den Drei Weieren und im Mannenweier
St. Gallen ist die einzige der fünf Städte auf dieser Seite ohne See und ohne badbaren Fluss im Stadtgebiet. Stadtstrand St. Gallen liegt darum nicht am Wasser der Stadt, sondern über ihr: an den Drei Weieren im Quartier St. Georgen, auf der Terrasse oberhalb des Talkessels.
Baden an den Drei Weieren: der Stadtstrand über St. Gallen
Die Drei Weieren sind ein Naherholungsgebiet im Stadtteil St. Georgen. Die künstlich angelegten Weiher gehen auf das Jahr 1610 zurück und dienen heute im Sommer als öffentliche Freibäder, im Winter gelegentlich als Eisfläche.
Erreichbar sind sie zu Fuss über den Anstieg von der Stadt her, mit der Mühleggbahn oder in den Sommermonaten mit einem Badebus, der direkt hinauffährt. Der Höhenunterschied ist der Grund, warum es dort oben regelmässig ein paar Grad kühler ist als in der Stadt.
Baden in St. Gallen heisst deshalb fast immer: hinaufgehen. Die Drei Weieren sind der einzige Ort im Stadtgebiet, an dem im Sommer öffentlich geschwommen wird. Baden in St. Gallen und Stadtstrand St. Gallen meinen deshalb dasselbe: die Weiher über der Stadt.
Freibad ohne Kasse: Mannenweier, Frauenbad und Familienbad Dreilinden
Der Mannenweier ist heute ein städtisches Freibad mit freiem Eintritt und ohne Zutrittsbeschränkung. Er hat ein 50-Meter-Becken, Sprunganlagen, ein Nichtschwimmerbecken und eine Liegewiese.
Der dritte Weiher ist als Frauen-, Familien- und Kreuzweiher organisiert: mit einer gemischten Zone und einem eigenen Frauenbad, für das Eintritt verlangt wird. Die Namen stammen aus der Zeit der strikten Geschlechtertrennung: historisch hiessen die Becken Mannen- und Knabenweiher beziehungsweise Frauen- und Familienbad.
Als Freibad im üblichen Sinn ist damit nur ein Teil der Anlage organisiert; der Rest ist schlicht öffentliches Wasser. Für ein Freibad ungewöhnlich ist auch die Lage: kein Quartier ringsum, sondern Wald.
Wassertemperatur in St. Gallen: warum hier keine Zahl steht
Für St. Gallen zeigt die Tafel keine Wassertemperatur, und das ist keine Lücke, sondern der Befund. Das nationale Messnetz des Bundes erfasst in der Stadt kein Badegewässer: die nächstgelegene Station mit Temperaturmessung liegt rund zehn Kilometer entfernt an einem anderen Gewässer. Eine Zahl von dort wäre plausibel und falsch.
Die Weiher sind flache, stehende Gewässer und erwärmen sich im Sommer schnell, deutlich schneller als ein Alpenfluss, aber sie kühlen nach einem Wettersturz auch rascher wieder ab. Wer eine verlässliche Zahl braucht, findet sie beim Betrieb der Anlage, nicht in einem Messnetz. Für Stadtstrand St. Gallen bleibt damit die Lufttemperatur der bessere Anhaltspunkt, und der Höhenunterschied von gut hundert Metern, den sie nicht abbildet.
| Ort | Luft | Wasser |
|---|---|---|
| St. Gallen kein Badegewässer in der Stadt gemessen | 15° gemessen | keine Messung |
Der Luft- und der Wasserwert für St. Gallen wurden nicht zur selben Minute erhoben; jede Zahl steht unter dem Zeitpunkt ihrer eigenen Messstelle. Abgerufen bei den Quellen am . Der Stand ist der dieses Abrufs. Erzeugt am . Alle Zeiten in Schweizer Zeit. Lufttemperatur von Open-Meteo; für St. Gallen liegt keine Wassermessung vor.
Warum St. Gallen seine Badeplätze oberhalb der Stadt hat
St. Gallen liegt in einem engen Talkessel zwischen Sitter und Steinach, auf rund 670 Metern über Meer und ohne See. Die Sitter fliesst in einer tief eingeschnittenen Schlucht am Stadtrand und ist kein Badegewässer. Damit fehlt der Stadt genau das, worauf die anderen vier Städte auf dieser Seite ihr Sommerleben stellen.
Die Antwort darauf ist historisch und liegt oben: Die Weiher auf der Terrasse über der Stadt wurden angelegt, weil die St. Galler Textilindustrie fliessendes Wasser brauchte. Als die Industrie verschwand, blieben die Becken und wurden zu dem, was St. Gallen heute anstelle eines Stadtstrands hat. Der Aufstieg gehört dabei zur Sache: Die Weiher liegen gut hundert Höhenmeter über dem Talboden.
Dieser Höhenunterschied ist auch der Grund für den anderen Sommerrhythmus. Oben ist es regelmässig ein paar Grad kühler als in der Stadt, der Blick reicht über den Talkessel bis zum Bodensee, und an heissen Tagen ist der Weg hinauf für viele der eigentliche Zweck des Ausflugs.
Der CityBeach auf dem Olma-Gelände
St. Gallen war einer der Standorte der Reihe, die zwischen 2008 und 2011 unter dem Namen CityBeach geführt wurde. Der Standort lag auf dem Olma-Gelände und hiess CityBeach - Olma Arena. Wie die übrigen war er eine temporäre Sommeranlage mit aufgeschüttetem Sand, Lounges, Gastronomie und einem Veranstaltungsprogramm.
Auch dieser Standort war ein Stadtstrand ohne Badegewässer: Sand und Programm ohne Wasser, mitten auf einem Messeareal. Die Anlage besteht nicht mehr; was dokumentiert ist, steht auf der Seite zum CityBeach Olma Arena.
Was man von den Weihern aus sieht
Der Aufstieg wird oben bezahlt. Von der Terrasse der Drei Weieren geht der Blick über den ganzen Talkessel, im Norden bis zum Bodensee, im Süden auf die Kette des Alpsteins mit dem Säntis. Es ist einer der wenigen Badeplätze der Schweiz, an dem man beim Schwimmen auf eine Stadt hinunterschaut statt vom Ufer aus in die Weite.
Unten im Kessel liegt der Stiftsbezirk, seit 1983 Weltkulturerbe: die barocke Kathedrale und die Stiftsbibliothek, deren Bestand bis in die Zeit des Klosters zurückreicht. Zwischen beiden verkehrt die Mühleggbahn, die den Höhenunterschied überbrückt, für den man sonst gut zwanzig Minuten steigt.
Für Gäste ergibt das eine ungewöhnliche Kombination: eine Klosterbibliothek am Vormittag und ein Weiher im Wald am Nachmittag, verbunden durch eine Bergbahn und hundert Höhenmeter. Wer von St. Gallen nur den Bahnhof kennt, hat den Teil verpasst, der die Stadt ausmacht.
Die Badhäuser: Jugendstil über der Stadt
Die Weiher sind älter als das Baden. Angelegt wurden sie um 1610, und zwar als Wasserreserve: Die St. Galler Textil- und Stickereiindustrie mit ihren Bleichen brauchte grosse Mengen Wasser, und das Gefälle vom Hang herunter lieferte es. Dass hier heute geschwommen wird, ist eine Zweitnutzung, die erst knapp drei Jahrhunderte später begann.
Um 1900 legte der Stadtbaumeister Albert Pfeiffer auf der Terrasse eine eigentliche Badelandschaft an. Das Frauenbad entstand 1895, 1899 kam am Südufer des Mannenweiers ein zweigeschossiges Garderobenhaus dazu, 1906 ein weiteres beim Nichtschwimmerbereich am Ostende. Die hölzernen Badhäuser im Jugendstil stehen bis heute und sind der Grund, weshalb der Ort aussieht, wie er aussieht.
Die Badeanstalt Drei Weihern ist im schweizerischen Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung verzeichnet. Wer hier badet, tut das also in einer denkmalgeschützten Anlage, was im Alltag niemanden kümmert und beim zweiten Hinsehen doch erklärt, warum das Garderobenhaus keine Kunststofftüren hat.
Häufige Fragen zum Stadtstrand St. Gallen
Kann man in St. Gallen mitten in der Stadt baden?
Nicht im eigentlichen Stadtgebiet. St. Gallen hat weder einen See noch einen badbaren Fluss im Talkessel. Gebadet wird an den Drei Weieren oberhalb der Stadt im Quartier St. Georgen.
Kostet der Mannenweier Eintritt?
Nein. Der Mannenweier ist ein städtisches Freibad mit freiem Eintritt. Für das Frauenbad am dritten Weiher wird Eintritt verlangt.
Wie kommt man zu den Drei Weieren?
Zu Fuss über den Anstieg von der Stadt, mit der Mühleggbahn oder im Sommer mit dem Badebus, der direkt hinauffährt.
Warum zeigt die Tafel für St. Gallen keine Wassertemperatur?
Weil das nationale Messnetz in der Stadt kein Badegewässer erfasst. Die nächste Station mit Temperaturmessung liegt rund zehn Kilometer entfernt an einem anderen Gewässer. Ihr Wert würde nicht beschreiben, wie warm die Weiher sind.
Woher die Angaben stammen
- Drei Weieren · Anlage um 1610, Badhäuser 1895/1899/1906 nach Albert Pfeiffer; KGS-Inventar Kategorie B
- UNESCO · Stiftsbezirk St. Gallen, Welterbe seit 1983
- Stadt St. Gallen · Bäder Dreilinden
- badi-info.ch · Familien- und Gemeinschaftsbad Dreilinden
- St.Gallen-Bodensee Tourismus · Drei Weieren