Steuervorteil adé: Der Eigenmietwert soll abgeschafft werden

Eigenmietwert - Eigenheim

Wer in einem Eigenheim wohnt, muss den sogenannten Eigenmietwert als Einkommen versteuern. Dieser richtet sich nach dem Betrag, den der Hauseigentümer bei Fremdvermietung erzielen würde. Im Gegenzug können Unterhaltskosten und Schuldzinsen steuerlich geltend gemacht werden.

Mit diesem Steuervorteil ist es nun vorbei: Einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zufolge hat sich die Wirtschaftskommission des Ständerats auf Eckpunkte zur Abschaffung des Eigenmietwerts geeinigt. Zu einem Systemwechsel konnten sich die Ständeräte allerdings nicht durchringen.

Beliebtes Feinbild in der Schweizer Politik

Der Eigenmietwert ist eines der beliebtesten Feindbilder in der Schweizer Innenpolitik. Inhaber einer selbstbewohnten Immobilie müssen ein hohes Einkommen versteuern, das sie niemals für sich selbst verwenden kommen. Die Forderung nach einer Abschaffung dieses ungeliebten „Naturaleinkommens“ gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zum festen Inventar der Schweizer Politbühne. Ein mehrheitsfähiger Vorschlag wurde bisher jedoch nicht gefunden.

Der neue Vorschlag der Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK) sieht vor, das Maximum des Schuldzinsabzugs auf 100 Prozent der versteuerten Vermögenseinkommen zu beschränken. Der Eigenmietwert wäre davon nicht mehr betroffen. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Abzugsmaximum auf 80 Prozent des Vermögenseinkommens festzulegen. In Variante zwei würden laut Bundesschätzung noch etwa 40 Prozent der bisherigen Schuldzinsabzüge angerechnet, bei der ersten Variante wären es etwa 50 Prozent.

Die Eckpunkte der Reform auf einen Blick

Aus Rücksicht auf die Bergkantone, die grosse Steuerausfälle befürchten, wird der Eigenmietwert nur für den Hauptwohnsitz abgeschafft. Bei Zweitwohnungen greift nach wie vor die alte Regelung. Ferner gewährt der Bund keine Abzüge für energiesparende Sanierungen mehr. Die Kantone dürfen die Abzüge jedoch beibehalten. Darüber hinaus sind Schuldzinsen auf selbst genutztem Wohneigentum nicht mehr abzugsfähig. Besitzt man eine zweite Immobilie und vermietet diese, dürfen die Schuldzinsen weiterhin ganz bzw. teilweise abgezogen werden, da die Miete ja auch versteuert werden muss.

Ersterwerber von selbstbewohnten Liegenschaften können einen zusätzlichen Zinsabzug in Anspruch nehmen. Dieser beträgt im ersten Jahr 10’000 CHF und fällt dann über 10 Jahre schrittweise dahin. Laut WAK-Präsident Pirmin Bischof (Solothurn, cvp.) zielt diese Regelung darauf ab, jungen Familien den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern und dem Verfassungsauftrag der Wohneigentumsförderung nachzuleben

Kein lupenreiner Systemwechsel

Ein „reiner“ Systemwechsel würde einer Abkehr von der steuerlichen Wohneigentumsförderung bedeuten. Diese besteht bislang darin, dass die versteuerten Eigenmietwerte unter den Marktmietwerten liegen. Laut grober Bundesschätzung macht diese Steuervergünstigung etwa 800 Millionen Franken pro Jahr aus. Dieser Wert wurde auf Grundlage der Daten von 2010 ermittelt. Die Bundesverfassung fordert keine steuerliche Förderung von Wohneigentum. Der Verfassungsauftrag wäre mit den verbleibenden Fördermassnahmen (Erleichterung beim Kapitalaufbau in der zweiten und dritten Säule) erfüllt.

Glaubt man den Angaben der Bundesverwaltung, kann die Reform gemäss den benannten Eckpunkten haushaltsneutral ausfallen. Der Knackpunkt ist dabei das langfristige Hypothekarzinsniveau, das gemäss einem früheren Verwaltungspapier bei etwa 2,6 Prozent liegen müsste. Die nun vorgeschlagene Änderung würde jedoch erst bei einem Zinsniveau von 3 bis 4 Prozent haushaltsneutral sein. Im vergangenen Jahr wurden Schweizer Wohnbauhypotheken durchschnittlich mit rund 1,5 % verzinst. Da die Verminderung von Schuldzinsabzügen bei diesem Niveau nicht sonderlich stark ins Gewicht fällt, würden die Hauseigentümer spürbar entlastet.

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