Meditation: Mehr als nur „Om“

Meditation

„Überbewertete Entspannungsübung“, „religiös angehauchter Hokuspokus“ – in Bezug auf Meditation existieren zahlreiche Vorurteile. Tatsächlich kann man durch Meditieren ein deutliches Plus an Lebensqualität erreichen. Wichtig ist, dass man die Übungen korrekt durchführt und ein ausreichendes Mass an Geduld mitbringt.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Meditieren reduziert Stress

Dass regelmässiges Meditieren das Wohlbefinden steigert und der Gesundheit zuträglich ist, berichten Praktizierende seit Jahrtausenden. Abgesehen von empirischen Hinweisen gab es bisher jedoch keine Untersuchungen, die diese offensichtliche Tatsache untermauern. Erst in den letzten Jahren wurden einige Studien veröffentlicht, die nachweisen, dass Meditation tatsächlich etwas verändert – nämlich im Gehirn.

In einer der Studien wurde über einen Zeitraum von 8 Wochen ein achtsamkeitsbasiertes Meditationsverfahren angewendet. Am Ende dieses Zeitraums stellten Wissenschaftler eine deutliche Verringerung der Dichte der grauen Substanz in der Amygdala fest. Diese spielt für die Angst- und Stressverarbeitung eine entscheidende Rolle. Des Weiteren konnten die Forscher eine höhere Dichte im Hippocampus nachweisen. Dieser Bereich des Gehirns steuert die Selbstwahrnehmung und das Mitgefühl. Die Teilnehmer der Studie beobachteten Veränderungen bei sich selbst und gaben an, durch regelmässige Meditation ihren Stress besser verarbeiten und kanalisieren zu können.

Zuverlässige Hilfe bei Angstzuständen und chronischen Schmerzen

Psychotherapeuten und Mediziner setzen meditative Techniken und Achtsamkeitsübungen bereits seit längerer Zeit bei chronischen Schmerzen wie Migräne ein – und das mit grossem Erfolg. Auch bei Angstzuständen, Schlafstörungen und Depressionen können Meditationsübungen einen Beitrag zur Gesundung des Patienten leisten. Mittlerweile wird sogar ernsthaft darüber diskutiert, wie sich die Meditationspraxis auf die Stärkung des Immunsystems auswirkt. Somit rückt immer mehr in den Fokus, was von Gehirnforschern über Jahrzehnte als „religiös-spirituelle Grauzone“ abgetan wurde.

Für Raucher und Menschen, die zum Alkoholismus neigen, ist regelmässiges Meditieren ebenfalls eine gute Möglichkeit, aus ihrer Situation herauszukommen. Eine aktuelle Studie der US-amerikanischen Carnegie-Mellon-Universität (Pittsburgh/Pennsylvania) zeigt, dass Achtsamkeitstraining helfen kann, Süchte und Abhängigkeiten unter Kontrolle zu bekommen. Die Forscher der Universität untersuchten die Gehirne von rund 50 Rauchern. Dabei setzten sie einen Magnetresonanztomographen ein. Sie fanden heraus, dass Achtsamkeitsübungen das Verlangen nach Nikotin vermindern. Dies geschieht durch eine Verringerung der Aktivität der Nervenzellen in einer Gehirnregion, die mit Sucht in Verbindung gebracht wird.

Meditation braucht Übung

Wer schon einmal versucht hat, ohne Plan und Anleitung zu meditieren, kennt dieses Phänomen: Man wird zunächst unruhig und verspürt dann ein Gefühl der Langeweile. Erst nach einer gewissen Zeit setzt die gewünschte Entspannung ein – der Meditierende wird achtsamer und konzentrierter. Nicht ohne Grund erfreuen sich Meditationsgruppen, die es inzwischen selbst in den entlegensten Regionen der Schweiz gibt, eines regen Zulaufs.

Die Praxis zeigt, dass es keineswegs nötig ist, mehrere Stunden am Tag zu meditieren, um messbare Erfolge zu erzielen: Mentale und körperliche Beruhigung treten schon nach wenigen Wochen ein. Meditiert man pro Tag 20 Minuten, sind bereits nach 8 Wochen Veränderungen in der Gehirnstruktur nachweisbar. Einen genauen Zusammenhang, wie lange und häufig meditiert werden muss, um eine Wirkung zu sehen, kennen Wissenschaftler derzeit noch nicht. Wichtig ist jedoch, dass Menschen, die mit Meditation beginnen möchten, sich auf die Übungen konzentrieren und die notwendige Entschlossenheit mitbringen.

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