Schweizer Strassen sollen wegen SUVs breiter werden

SUV

Mehr Platz für Geländewagen und SUVs: Mit diesem Vorstoss hat der Verband für Verkehrsfachleute Schweiz (VSS) eine Diskussion losgetreten, die alle Gesellschafts- und Bevölkerungsschichten bewegt. Wenn es nach den Experten des VSS geht, sollen die schweizerischen Strassen langfristig um bis zu 50 Zentimeter breiter werden.

Statistisch belegtes Breitenwachstum

Dass die Autos auf den hiesigen Strassen immer breiter werden, ist eine statistisch belegte Tatsache. Eine Studie der Universität Duisburg zeigt, dass moderne Kraftfahrzeuge durchschnittlich um 12 Zentimeter breiter sind als Autos, die in den 90er-Jahren gebaut bzw. gefahren wurden. Zwar sind 12 Zentimeter bei einer Strassenbreite von 2,5 bis 4 Metern nicht sonderlich viel – wenn auf allen Spuren SUVs fahren und sich begegnen, beträgt der zusätzliche Platzbedarf jedoch fast einen halben Meter.

Mittlerweile surfen fast alle bekannten Autobauer auf der SUV-Welle. Zwar haben die Hersteller auch kleinere Modelle im Programm, doch gerade in der Schweiz erfreuen sich grosse und luxuriöse SUVs wie der Ford Edge oder der Range Rover Evoque einer immensen Popularität. Der Wohnort spielt dabei keine Rolle: Sogar in eher flachen Gegenden sind inzwischen so viele SUVs unterwegs, dass man durchaus von einem automobilen Trend sprechen kann.

VSS: Erhebliches Sicherheitsrisiko durch zu schmale Strassen

Der VSS gibt zu bedenken, dass viele Strassen für neue Autos schlichtweg zu schmal sind. Das Kreuzen und Überholen sei auf etlichen Strassen gefährlich geworden, so die Experten. Vielerorts müsse man bereits abbremsen, wenn auf der Gegenspur ein SUV unterwegs sei. „Wenn die Fahrzeuge breiter werden, muss auch die Strasse breiter sein, sonst erhöht sich die Gefahr von Unfällen“, sagt VSS-Präsident Jean-Marc Jeanneret. Die Fahrbahnen sollten den breiter gewordenen Fahrzeugen angepasst werden. Innerhalb eines Jahres soll die revidierte Norm in Kraft gesetzt werden.

Ähnlich äussert sich Jörg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Er ist ebenfalls Mitglied des VSS und fordert breitere Strassenräume, damit ein sicheres Miteinander auf verkehrsorientierten Strassen auch in Zukunft gewährleistet ist. „Viele Strassen sind heute zu schmal, um den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht zu werden“, findet der Gründer und CEO der GLT Communications AG, einem Unternehmen für Kommunikations- und Wirtschaftsberatung. Im Gespräch ist eine Verbreiterung um 10 bis 50 Zentimeter pro Fahrbahn. Bei vierspurigen Landstrassen und Autobahnen würde dies eine Erweiterung um bis zu zwei Meter bedeuten.

Die Kantone wehren sich gegen die VSS-Pläne

Hinter den Kulissen ist ein heftiger Streit um die ehrgeizigen Pläne des VSS entbrannt. Schon vor einem Jahr hatten die Verkehrsexperten einen Vorschlag zur Revision der Norm vorgestellt. Vorgesehen war eine Verbreiterung um bis zu einem Meter. Doch noch bevor die Revision öffentlich bekannt wurde, musste der VSS sie wieder zurücknehmen. Die Behörden der Kantone hatten bezüglich der Verbreiterung gänzlich andere Vorstellungen. Um die Situation zu entspannen, wurden die Pläne vorübergehend auf Eis gelegt.

Auch der neue Vorschlag des VSS stösst bei Weitem nicht überall auf Gegenliebe. Einige lehnen die flächendeckende Verbreiterung der Verkehrswege grundsätzlich ab, andere können sich für die VSS-Pläne erwärmen. Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich sieht keinen Handlungsbedarf und bezweifelt, dass Strassenbreiten sich den Trends der Automobilindustrie folgen müssen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) vertritt die Ansicht, dass die Verbreiterung der Strassen das Unfallrisiko nicht vermindert, sondern erhöht: Breitere Fahrbahnen, so BfU-Sprecher Marc Kipfer, führten zu schnellerem Fahren.

Rückenwind erhält die Initiative dagegen vom Lastwagenverband Astag – dieser fordert ausdrücklich eine Verbreiterung der Strassen. Im Kanton Basel-Landschaft sind die geplanten Änderungen bereits Realität: Hier wurde bereits im Jahr 2015 damit begonnen, die Strassen der Breite moderner SUVs und Geländewagen anzupassen.

FDP-Nationalrat Thierry Burkart: Es braucht einen politischen Entscheid

Der Nationalrat Thierry Burkart (FDP) steht den Erweiterungsplänen des VSS aufgeschlossen gegenüber. Die Frage, ob die schweizerischen Strassen an die Breite von SUVs und Geländewagen angepasst werden sollten, sei aber so kontrovers, dass es einen politischen Entscheid brauche. Auch der SP-Ständerat Claude Janiak befürwortet eine politische Lösung. Persönlich sehe er zwar keinen Handlungsbedarf für breitere Strassen – er werde das Astra jedoch bitten, seinen Vorschlag dem Parlament zu unterbreiten.

Related posts

Leave a Comment


*